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Ein sicherer Job – und trotzdem unglücklich?

© Borna Hržina / unsplash.com

Eigentlich ist doch alles gut.

Du hast einen sicheren Arbeitsplatz. Dein Gehalt kommt pünktlich. Vielleicht verstehst Du Dich sogar ganz gut mit Deinen Kollegen. Die Arbeitszeiten sind in Ordnung und möglicherweise beneiden Dich andere sogar um Deinen Job. Du weißt, was Du daran hast – und kannst dafür durchaus dankbar sein.

Und trotzdem gehst Du morgens schon länger nicht mehr gern zur Arbeit. Vielleicht sitzt Du sonntagabends auf dem Sofa und spürst, wie sich etwas in Dir zusammenzieht, wenn Du an Montag denkst.

Und dann meldet sich womöglich noch eine zweite Stimme: Andere wären froh, diesen Job zu haben. Andere haben viel größere Probleme. Andere verdienen weniger. Andere wissen nicht einmal, ob sie ihren Arbeitsplatz behalten.

Also reißt Du Dich zusammen. Schließlich kann man nicht alles haben.

Oder?

Trotz sicheren Jobs unglücklich – das ist kein Widerspruch

Vielleicht hilft Dir zunächst ein Gedanke: Sicherheit, Dankbarkeit und Unzufriedenheit können gleichzeitig da sein. Du kannst …

  • dankbar für Deinen sicheren Arbeitsplatz sein – und trotzdem spüren, dass Dir dort etwas fehlt.
  • Deine Kollegen mögen – und Deine Aufgaben langweilig finden.
  • Dein Gehalt schätzen – und Dich gleichzeitig nach einer anderen Aufgabe sehnen.
  • wissen, dass andere größere Schwierigkeiten haben – und trotzdem Deine eigenen Bedürfnisse ernst nehmen.

Das eine macht das andere nicht ungültig.

Oft versuchen wir, unsere Unzufriedenheit mit vernünftigen Argumenten wegzudrücken: „So schlimm ist es doch gar nicht.“ „Ich habe doch einen guten und sicheren Job.“ „In meinem Alter fange ich doch nicht noch einmal von vorne an.“

Solche Sätze können beruhigen. Aber sie beantworten nicht die Frage, warum Du Dich trotzdem nicht wohlfühlst.

Sicherheit ist wichtig – aber vielleicht nicht alles

Sicherheit kann unglaublich wertvoll sein. Ein festes Einkommen gibt Halt. Verlässliche Arbeitszeiten können das Leben erleichtern. Ein unbefristeter Vertrag kann Sorgen nehmen. All das darfst Du schätzen.

Doch ein sicherer Arbeitsplatz beantwortet noch nicht automatisch andere wichtige Fragen:

  • Interessiert mich, was ich tue?
  • Fühle ich mich gesehen und wertgeschätzt?
  • Kann ich meine Fähigkeiten einbringen?
  • Entspricht das, was ich täglich tue, meinen Werten?
  • Kann ich mich entwickeln und etwas gestalten?
  • Fühle ich mich an meinem Arbeitsplatz wohl?

Vielleicht kannst Du einige dieser Fragen mit Ja beantworten – vielleicht aber auch nur wenige. Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht, um sofort Deinen Arbeitsplatz aufzugeben, sondern um besser zu verstehen, was eigentlich in Dir vorgeht.

Wenn aus Dankbarkeit eine gefühlte Verpflichtung wird

Neben der Sicherheit kann noch etwas anderes das freie Nachdenken über Veränderung erschweren: das Gefühl, einem Unternehmen aus Dankbarkeit verpflichtet zu sein.

Dein Unternehmen hat Dir möglicherweise viel gegeben: Sicherheit, Chancen, Unterstützung in einer schwierigen Zeit oder Menschen, mit denen Du gern zusammenarbeitest. Dafür kannst Du aufrichtig dankbar sein.

Doch auch Du hast etwas gegeben: Deine Zeit, Deine Kraft, Deine Fähigkeiten, Deine Erfahrung und Deine Verlässlichkeit. Ein Arbeitsverhältnis ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Dankbarkeit ist kein Vertrag für die Zukunft.

Du musst das Gute nicht kleinreden, um über etwas Neues nachdenken zu können. Und wenn Du irgendwann gehst, wird dadurch weder das Gute ungeschehen, das Du dort erlebt hast, noch das, was Du selbst gegeben hast.

Wessen Stimme hörst Du gerade?

Der Gedanke „Eigentlich müsste ich doch zufrieden sein“ stammt nicht immer nur von uns selbst.

Vielleicht kennst Du Sätze wie: „Sei froh, dass Du überhaupt Arbeit hast.“ „So einen sicheren Job gibt man doch nicht auf.“ „Was willst Du denn noch?“

Manche dieser Sätze begleiten uns über viele Jahre. Vielleicht kamen sie von Eltern oder Großeltern, von Freunden, Kollegen oder Partnern. In deren Lebenssituation waren sie womöglich sogar sehr verständlich.

Entscheidend ist eine andere Frage: Müssen diese Sätze auch heute noch für Dich gelten?

Du musst Dich nicht gegen sie auflehnen. Prüfe einfach, ob sie noch zu Dir und Deinem heutigen Leben passen.

Was fehlt Dir – und was möchtest Du bewahren?

Statt Dich sofort zu fragen „Soll ich kündigen?“, kannst Du kleiner anfangen. Nimm ein Blatt Papier und teile es in zwei Hälften.

Über die linke Seite schreibst Du: „Dafür bin ich in meinem Job dankbar.“ Vielleicht stehen dort Sicherheit, nette Kollegen, ein gutes Gehalt, kurze Wege oder flexible Arbeitszeiten.

Über die rechte: „Das fehlt mir trotzdem.“ Vielleicht stehen dort mehr Sinn, mehr Ruhe, neue Aufgaben, Entwicklung, Gestaltungsmöglichkeiten oder einfach der Wunsch, Dich morgens wieder auf etwas freuen zu können.

Schau anschließend auf beide Seiten, ohne eine davon wegzudiskutieren. Beide Seiten können wahr sein.

Und dann ergänze noch eine Frage: Was von dem, was ich heute habe, möchte ich unbedingt bewahren? Denn berufliche Veränderung bedeutet nicht zwangsläufig, alles hinter Dir zu lassen.

Wenn Dir klarer wird, was fehlt und was Du bewahren möchtest, kannst Du prüfen, ob sich an Deinem jetzigen Arbeitsplatz etwas verändern lässt: andere Aufgaben, eine Weiterbildung, eine andere Abteilung, ein Gespräch mit Deiner Führungskraft. Manchmal verändert ein Gespräch bereits etwas. Manchmal zeigt es aber auch deutlich, dass sich an diesem Ort wenig verändern wird. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis.

Wie Du dabei unterscheidest, ob es am Beruf selbst liegt oder am Ort, an dem Du ihn ausübst, habe ich hier beschrieben: Bin ich im falschen Beruf oder „nur“ in der falschen Umgebung?

Klarheit ist noch keine Kündigung

Vielleicht hält Dich die Sorge davon ab, genauer hinzusehen. Denn was passiert, wenn Du feststellst, dass Du tatsächlich etwas anderes möchtest? Musst Du dann sofort kündigen?

Nein. Etwas zu erkennen verpflichtet Dich noch zu nichts. Du kannst …

  • Stellenanzeigen lesen, ohne Dich zu bewerben.
  • mit Menschen sprechen, die etwas tun, das Dich interessiert.
  • andere Arbeitsmöglichkeiten erkunden.
  • Dich über finanzielle oder versorgungsrechtliche Folgen informieren.
  • eine Weiterbildung prüfen.
  • Möglichkeiten sammeln, ohne Dich schon für eine zu entscheiden.

So wird aus einer diffusen Sorge nach und nach etwas, das Du prüfen und besser einschätzen kannst.

Manchmal beginnt Veränderung mit ein paar freien Tagen

Aus meiner Arbeit fällt mir dazu eine Klientin ein, deren Herzenswunsch es immer gewesen war, als Lehrerin zu arbeiten. Der Beruf selbst war also nicht das Problem.

Doch in der Großstadt, in der sie lebte und arbeitete, wurde sie zunehmend unglücklich. Immer weniger hatte sie das Gefühl, wirklich etwas beeinflussen oder gestalten zu können. Gleichzeitig war da die Sorge um ihre Sicherheit. Besonders mögliche Nachteile bei ihren Pensionsansprüchen beschäftigten sie.

An ein paar freien Tagen tat sie dann etwas, das noch gar keine große Entscheidung verlangte: Sie fuhr in eine kleinere Stadt, die sie sich als neuen Lebensmittelpunkt vorstellen konnte. Dort erkundigte sie sich an einigen Schulen, wie groß der Bedarf in ihrem Fach war. Er war groß. Die Stadt gefiel ihr. Alles erschien ruhiger und überschaubarer – und sie fühlte sich spontan willkommen.

Aus einem Gedanken wurde plötzlich eine echte Möglichkeit. Als die Gespräche mit einer Schule konkreter wurden, fand sich erstaunlich schnell auch eine Lösung für eine Wohnung.

Was für eine Aufregung. Aber auch was für eine Vorfreude – ein Gefühl, das sie schon lange nicht mehr erlebt hatte.

Die Sorge um ihre Sicherheit war damit nicht einfach verschwunden. Doch sie war nicht länger die einzige Stimme. Daneben standen plötzlich Neugier, Freude und eine konkrete Alternative.

Heute lebt und arbeitet diese Klientin in der kleineren Stadt und ist mit ihrer Entscheidung glücklich. Rückblickend fragte sie sich eher, warum sie sich diese Möglichkeit nicht schon früher angesehen hatte.

Entscheidend war dabei nicht, dass sie tatsächlich alles hinter sich ließ. Entscheidend war, dass sie sich erlaubte, eine andere Möglichkeit erst einmal anzuschauen.

„Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.“ – Laozi

Vielleicht beginnt ein neuer Anfang manchmal tatsächlich viel kleiner, als wir denken: mit einer Information, einem Gespräch, einer Fahrt an einen anderen Ort oder einfach mit der Erlaubnis, eine Möglichkeit überhaupt zu Ende zu denken.

Was wäre, wenn Du Dich heute noch nicht entscheiden müsstest?

Vielleicht magst Du Dir diese Frage stellen: Wenn ich heute noch nichts entscheiden müsste – was würde ich mir beruflich wünschen?

Lass dabei Vernunft, Geld, Alter, Ausbildung und die Meinung anderer für einen Moment außen vor. Nicht weil diese Dinge unwichtig wären. Später gehören sie selbstverständlich wieder mit dazu. Doch zuerst kannst Du hören, was Du selbst zu sagen hast.

  • Was würde Dich interessieren?
  • Worauf würdest Du Dich morgens eher freuen?
  • Welche Deiner Fähigkeiten möchtest Du häufiger nutzen?
  • Was möchtest Du am Ende eines Arbeitstages öfter fühlen?

Vielleicht entsteht daraus noch kein neuer Beruf und keine fertige Entscheidung. Das muss auch gar nicht sein. Manchmal entsteht zunächst nur eine Ahnung.

Auch eine Ahnung kann ein Anfang sein.

Meine Buchempfehlung zum Thema:

Das Geheimnis kluger Entscheidungen (Maja Storch)

Von Bauchgefühl und Körpersignalen

Vielleicht sagt Dein Verstand: „Bleib. Du hast einen sicheren Job.“ Und gleichzeitig spürst Du schon lange, dass etwas für Dich nicht mehr stimmt. Maja Storch erklärt verständlich, warum gute Entscheidungen nicht allein im Kopf entstehen und wie Verstand, Gefühle und Körpersignale zusammenspielen. Besonders hilfreich finde ich, dass sie den Druck aus schwierigen Entscheidungen nimmt: Es geht nicht darum, die eine garantiert richtige Entscheidung zu finden, sondern Schritt für Schritt eine zu treffen, die zu Dir passt.

„Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.“ (Blaise Pascal)

Du kannst mehr beeinflussen, als es manchmal scheint

Nicht alles in unserem Berufsleben liegt in unserer Hand. Unternehmen treffen Entscheidungen ohne uns. Menschen verhalten sich anders, als wir es uns wünschen. Wirtschaftliche oder persönliche Umstände setzen Grenzen.

Aber daraus folgt nicht, dass Du gar nichts beeinflussen kannst. Du kannst genauer hinschauen, Fragen stellen, Informationen sammeln, Gespräche führen, Möglichkeiten prüfen und kleine Schritte ausprobieren.

Vielleicht entscheidest Du Dich am Ende zu bleiben. Vielleicht veränderst Du etwas an Deinem jetzigen Arbeitsplatz. Oder Du gehst irgendwann einen anderen Weg.

Keine dieser Entscheidungen macht das Gute kleiner, das Du an Deinem bisherigen Arbeitsplatz erlebt hast. Du kannst dankbar sein für das, was gewesen ist – und trotzdem Deine Zukunft neu betrachten.

Berufliche Klarheit entsteht selten durch die eine große Erkenntnis. Oft wächst sie Schritt für Schritt. Und vielleicht wird Dir dabei irgendwann etwas Wichtiges klar:

Ein sicherer Job kann Dir Halt geben. Er muss Dich aber nicht automatisch glücklich machen.

Wenn sich Deine Gedanken dabei immer wieder im Kreis drehen oder Du Dir jemanden wünschst, der gemeinsam mit Dir sortiert, was Dir wichtig ist und welche Möglichkeiten Du hast, unterstütze ich Dich gern.

Nicht, um für Dich zu entscheiden. Sondern damit Du wieder klarer sehen und Deine eigene Entscheidung treffen kannst.

Und wenn Du dabei Unterstützung möchtest, bist Du bei mir willkommen.

*Wenn Du eines der Bücher über meine Verlinkung kaufst, erhalte ich ggf. eine kleine Provision. Für Dich entsteht kein Nachteil, denn der Preis bleibt gleich.

Bild von Ines Maria. Fischer

Ines Maria. Fischer

Mein Name ist Ines Maria. Fischer. Ich unterstütze Menschen, die sich schon länger unglücklich in ihrer Arbeits- und Lebenssituation fühlen, etwas daran ändern wollen und noch nicht so recht wissen wie. Mehr über mich »

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